La Plage 2000 stellt im vielfältigen OEuvre von Xavier Veilhan (1963) ein singuläres Hauptwerk dar. Veilhan, der gleichermaßen mit Skulptur und Installation arbeitet und Fotografie, Film und Performances in seine Werke integriert, bereitet viele seiner gegenständlichen Darstellungen mit dem Computer auf. Zentrales Thema in seinen Arbeiten sind häufig Fragen nach der Sichtbarkeit und nach den Konditionierungen unserer Sehgewohnheiten im digitalen Zeitalter. Veilhans Skulpturen nehmen gern scherenschnittartige, scharf konturierte Gestalt an, vereinfacht durch gerasterte, laserabgetastete oder prismatisch aufgelöste Körperformen, oft zusätzlich verzerrt durch die Darstellung von Geschwindigkeit. Ähnlich werden fotografische oder gar filmisch bewegte Bildoberflächen bei Veilhan durch extreme Pixelung aufgelöst, was im Betrachter Fragen nach dem richtigen Abstand und nach den durch unsere Wahrnehmung unwillkürlich ergänzten Bildinformationen aufkommen lässt.

La Plage 2000

So auch in La Plage 2000, das als Zwischending zwischen einem großformatigem Paravent und der traditionellen Form der Panoramen des 19. Jahrhunderts uns nicht ohne Ironie eine schein bar historische Szene vor Augen führt, bei der Reisende im Gehrock, die an Phileas Fogg und seinen Diener Passepartout erinnern mögen, Strandbewohnern mit merkwürdigem Kopfputz begegnen, die als Parodie eines polynesischen Inselvolkes an überkommene Vorstellungen aus der versunkenen Welt bourgeoiser Kolonialisten erinnern. Veilhans „kybernetischer Impressionismus,” wie Jean-Pierre Criqui es nennt, dessen oberflächlich flüchtige Darstellung in der Reduzierung der Bildinformationen die Art und Weise übertreibt, wie wir mittlerweile gewohnt sind, zu sehen, unterstreicht so die Notwendigkeit, Distanz zu halten, um sowohl die dargestellten Ereignisse als auch ihr Bild deutlicher wahrnehmen zu können.

Xavier Veilhan
La Plage 2000, 2000
Impression offset von Karten die auf  thermogeformten Modulen, aus Polystyrol bestehend, montiert sind
287 x 2945 cm
Sammlung Mudam Luxembourg
Ankauf 2004
© Foto: Andrés Lejona