In den frühen ’90er Jahren erlangte der junge deutsche Fotograf Wolfgang Tillmans (*1968, Remscheid) mit Porträts seiner Freunde und anderer Protagonisten der Underground-Szene rasch größere Bekanntheit. Seither entwickelt er, der seit 1992 in London lebte, bevor er 2007 nach Berlin zog, ein vielschichtiges Werk, bei dem er in großer Freiheit die unterschiedlichsten Formate und Aufnahme- und Drucktechniken auslotet und für das er auch die Hängung seiner Werke selbst konzipiert. Tillmanns beschäftigt sich mit den unterschiedlichsten Themen, mit dem Sternenhimmel wie mit Meereslandschaften, Stillleben, abstrakten Strukturen oder immer wieder auch mit dem Porträt. „Der Blick an sich ist ein Nachdenken über die Welt,” meint Tillmans, der sich einen „nicht privilegierten Blick” bewahren will, „wie ihn jeder haben kann.” Für Tillmans verlangt das Porträt als feinfühlige Disziplin eine besondere Haltung, nicht nur vom Fotografen, sondern auch von demjenigen, der fotografiert wird und dem auf Augenhöhe zu begegnen sein sollte. „Nur im gegenseitigen Einvernehmen über ihre Verletzlichkeit und ihre Schwäche kann ein starkes Porträt entstehen.” Die Reihe der zweiundzwanzig Porträts von identischem Mittelformat entstammen verschiedenen, zwischen 2000 und 2016 entstandenen Projekten. Man begegnet Vertretern aus unterschiedlichen kulturellen Disziplinen, vom Tanz bis zur Architektur, aber auch Unbekannten oder den Mitarbeitern und engen Freunden des Künstlers.

Mami

Wolfgang  Tillmans
Mami, 1994
Tintenstrahl
300 x 200 cm
Sammlung Mudam Luxembourg
Amkauf 2000
© Foto: Wolfgang Tillmans

Rachel Auburn and son

Wolfgang Tillmans
Rachel Auburn and son, 1995
Tintenstrahl
300 x 200 cm
Sammlung Mudam Luxembourg
Ankauf 2000
© Foto: Wolfgang Tillmans