Tatiana Trouvé (1968) verarbeitete die anfänglichen Schwierigkeiten ihrer künstlerischen Laufbahn und den Mangel eines eigenen Ateliers ab 1997 mit einer Reihe von Installationen, die sie unter dem Titel Bureau d’Activités Implicites (BAI) zusammenfasste. Diese sich fortentwickelnden und allmählich auf geradezu organische Weise wuchernden Zusammenstellungen unterschiedlichster Objekte spielten sowohl auf konkrete Tätigkeiten (wie Archivieren, Reproduzieren, Schreiben etc.) wie auch auf mentale Leistungen (Konzentration, Erinnerung) an. 

Polder

Eine zweite Werkgruppe, die Polders, leitete sich in kleinerem Maßstab aus den Arbeiten des BAI ab und erweiterte dessen biographischen Fiktionen um eine allegorische bzw. traum- oder erinnerungshafte Dimension. Trouvé, die hier spielerisch die Gattungen Skulptur, Modell und Installation verbindet, schafft Orte, klein, wie ferne Erinnerungen, die ähnlich der titelgebenden Polder erst durch (mentale) Umgrenzung Gestalt annehmen. Meist Räume für potentielle Aktivitäten, beinhalten die Polder Erzählungen ohne deutlichen Inhalt, von deren gleichzeitig vertrauten wie beunruhigenden Elementen eine eigentümliche Spannung ausgeht.

Ansicht der Ausstellung Le Meilleur des mondes, Mudam Luxembourg, 30/01/2010 – 24/05/2010

Tatiana Trouvé

Polder, 2002
Gemischte Technik
60 x 230 x 230 cm
Sammlung M.J.S., Paris
Deposit 2006 - Mudam Luxembourg

© Foto: Rémi Villaggi