„In Sète regnet es Tipp-Ex.”

Die Arbeiten von Simon Jacquard (1968) (Texte und Zeichnungen) breiten sich wie ein Schwelbrand und mit der Geschwindigkeit eines Treppentraumes aus. Handelt es sich auf den ersten Blick um Dialoge unter Tauben, so bezieht sich Jacquard dennoch stets auf die Rohstoffe des Realen. In seinem grafischen Universum verzichtet er auf jeden Spotlighteffekt und damit auf die unmittelbare Enthüllung einer Vorstellung von Schönheit. Es handelt sich vielmehr um eine Offroad-Erzählung, bei der im Wildern jenseits der Wege die Kulisse für eine Amphibie entsteht, die sich für Motocross im Nebel begeistert. Mit verborgenem Lächeln und seinem sandgefüllten „brain bag” nimmt Simon Jacquard an den Figuren, die die kollektive Konvention aufdrängt, seine Korrekturen vor. Seine Metasprache enthüllt unter dem Vergrößerungsglas die verdrehte Sprache des Überdrusses und des Optionshandels des Imaginären. So muss man sich mit Geduld wappnen, um die Worte dieses Stehaufmännchens und die Refrains seines kalten Gesanges zu vernehmen und zu begreifen, der sich als Genese und Apokalypse gleichermaßen versteht. Ein Rat? In Wuchsrichtung des Haares den Wirbel suchen. Das Dokument ist Teil seiner Serie und seines Territoriums: boiled egg égaré dans un dîner d’affaires (gekochtes Ei, das sich auf ein Geschäftsessen verirrt hat).

Francis Mary

Sans Titre

Simon Jacquards Serie aus sechzehn Zeichnungen, die das Mudam im Jahr 2007 erworben hat, offenbart dem Betrachter ein poetisches und fragiles Universum, das einem Stimmungstagebuch gleich einen verschobenen und amüsierten Blick auf den Alltag gewährt. Mit seinem ganz eigenen Humor macht der Künstler nichts anderes, als die Katastrophen abzuwenden, die sich wie ein roter Faden durch seine Zeichnungen ziehen. Er bewegt sich vom Persönlichen zum Allgemeinen, vom Eintönigen zum Spektakulären, vom Banalen zum Philosophischen, vom Konzeptionellen zum Flatterhaften, und sein Strich gleitet ganz direkt, ohne Umwege, ohne Schnörkel über das Papier. Die Figuren, Situationen oder handgeschriebenen Texte lesen sich wie Aphorismen - sie sind schnell zu erfassen und regen dennoch zu tiefer gehenden Reflexionen an.

Sans Titre

Simon Jacquard
Sans Titre, 2003-2005
Ensemble von 16 Zeichnungen
Gemischte Technik auf Papier
30 x 20 cm jede
Sammlung Mudam Luxembourg
Ankauf 2006
© Simon Jacquard

Mudam Guest House 07
13/10/2007 - 26/11/2007

Mech géif mol interesséieren

Explikatiounen iwwer dem Simon Jacquard säi Wierk aus der Mudam Sammlung an der Emissioun Mech géif mol interesséieren, wat dat hei ass? um Radio 100,7.