Kompromisslos verlangen die Arbeiten von Rémy Zaugg (1943-2005) vom Betrachter, Stellung zu beziehen. Auf den ersten Blick halten einen seine bereinigten Bilder auf Distanz. Aus Worten und Sätzen zusammen gesetzt, befinden sie sich mitunter an den Grenzen der Sichtbarkeit und stellen so beständig die Wahrnehmung in Frage, ohne einem passiven Schauen Raum zu geben.

Für den Künstler sind Blick und Bewusstsein eng miteinander verknüpft, in ihrer Verbindung entwickelt sich unser Verhältnis zur Welt. Ob poetisch oder elliptisch, ob fragend oder drängend, die Sprache in den Bildern von Rémy Zaugg formuliert zu allererst ein nachdrückliches existentielles Wollens, in dem immer wieder die Themen der Gegenwärtigkeit, des Todes, des Sehens und der Blindheit anklingen, in beständigen Dialog zwischen Objekt und Subjekt.

Le monde voit

Sehen wird so zu engagiertem Handeln und der Betrachter ist so permanent in Aktion, konfrontiert mit den Sentenzen auf den Bildern, deren Farbigkeit und Komposition sich bis zur Sättigung oder ihrem Verschwinden aufdrängen, während die wirklich oder im Geiste gesehenen Dinge verlöschen und wieder auftauchen. Das Werk verlangt ein flexibles, nicht festgelegtes Bewusstsein. Die fünfzehnteilige Reihe „Le Monde voit” („Die Welt sieht”) ist in dieser Hinsicht bezeichnend für das Vorgehen des Künstlers, dessen Radikalität indes nicht der Poesie im Wege steht.

Rémy Zaugg
Le monde voit, 2000
Ensemble von 15 Bildern
Aluminium, Spritzlackierung, Siebdruckbuchstabe, Klarlack
Sammlung Mudam Luxembourg
Ankauf 2000
© Fotos: Rémi Villaggi