Die in London ansässige iranische Fotografin Mitra Tabrizian (*1954 in Teheran) ist auch Filmemacherin und Professorin für Fotografie. Ihre fotografischen Arbeiten entstehen als präzise komponierte Szenen, die, oftmals auch in Reihen vereint, rätselhafte und scheinbar unzusammenhängende Erzählungen konstruieren. Dabei ist eine Verwandtschaft mit Werken des jungen iranischen Films oder denjenigen des italienischen Regisseurs Michelangelo Antonioni nicht zu übersehen. Tabrizians Fotos arbeiten mit einer theatralischen Inszenierung der meist auch in Gruppen wie isoliert auftretenden Protagonisten, die für die Aufnahmen wie Schauspieler erscheinen. Tehran 2006 (2006) ist eine im extremen Breitformat aufgenommene Szene aus einer wie im Nirgendwo liegenden Neubausiedlung vor den Toren der iranischen Hauptstadt. Es ist ein metaphorischer Blick der Künstlerin auf die aktuelle Situation im postrevolutionären Iran. Die sich auf einer staubigen Straße wie in aufgehobener Bewegung platzierten Personen wirken, so die Künstlerin, „wie exiliert in ihrem eigenen Land.” Untereinander vollkommen beziehungslos, bevölkern sie die unwirtliche Szene unter den Augen der von einem Plakat blickenden Ajatollahs Khomeini und Khamenei, deren sie begleitender Spruch, „Wir werden dem Pfad des Imams und der Märtyrer der Revolution folgen” wie ein ironischer Kommentar auf die tatsächlichen Lebensumstände dieser Situation und die nicht eingehaltenen Versprechen der islamischen Revolution erscheint.

Tehran 2006

Mitra Tabrizian
Tehran 2006
Farbfotografie
101 x 302 cm
Sammlung Mudam Luxembourg
Ankauf 2008
© Foto: Mitra Tabrizian