„Manuel Ocampo stammt von den Philippinen. Er hat in Manila, Los Angeles, Rom und Sevilla gelebt. Er ist geprägt von der Kultur des Katholizismus und vom Kaugummi, vom Marxismus und von Micky Maus, und der Schock, der den Betrachter seiner Bilder befällt, mag dem Kultur-schock entsprechen, den Ocampo am eigenen Leibe erlebte. [...] In seinen Gemälden treffen die großen, die größten Symbole zu einem grotesken Schauspiel zusammen. [...] Er entlarvt die Errungenschaften der Zivilisation als Heuchelei und führt uns das Chaos als kollektiven psychischen Zustand vor. [...] Seine Szenarien sind Bild gewordene Apokalypsen: krasse Szenen voller Gewalt, Dekadenz, Blasphemie, die die Foltermethoden spanischer Kolonialherren ebenso abbilden wie die Insignien des Heavy Metal oder die Typologie von Spaltter Movies. [...] Mit Nonchalance ignoriert er jegliche Grenze, sei es die zwischen Malerei und Skulptur oder jene zwischen Hochkultur und Trivilakunst.” (Sandra Danicke)

An Object functioning as a Nostalgic Emanation of Libidinal De-amputations

Ähnlich religiösen Darstellungen sind Manuel Ocampos Gemälde wie auch ihre Titel meist komplexe Zusammenstellungen anspielungsreicher Elemente, die keineswegs immer ein kohärentes Ganzes ergeben. Die jeweils vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten der einzelnen Bildelemente eröffnet dem Betrachter ein weites Feld des Verstehens, das jedoch nicht zu einer endgültigen Aussage führen wird. Auf dem Gemälde der Mudam Sammlung, An Object functioning as a Nostalgic Emanation of Libidinal De-amputations, mag der Betrachter eine Anspielung auf eines der beliebtesten Bilder der Deutschen, Carl Spitzwegs „Armer Poet” von 1839, erkennen, das als Ikone biedermeierlichen Kleinbürgertums hier in eine apokalyptische Karikatur verwandelt wurde. Wurst, Geier, Lederhose, Kreuz und Schädel werden hier als Versatzstücke eines zeichenhaften Vokabulars zu einem absurden Ganzen verdichtet, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Malerisch zwischen dem gestischen Duktus eines Jean-Michel Basquiat und den ätzenden Karikaturen Robert Crumbs angesiedelt, sind die Gemälde Ocampos anarchische Provokationen, die heftig an formalen und inhaltlichen Seherwartungen der Betrachter rütteln.

Manuel Ocampo
An Object functioning as a Nostalgic Emanation of Libidinal De-amputations, 2006
Öl auf Leinwand
197,5 x 197,5 cm
Sammlung Mudam Luxembourg
Ankauf 2007
© Foto: Rémi Villaggi