Der japanische Fotograph Kyoichi Tsuzuki (*1956, Tokio) versteht sich selbst als Journalist. In zahlreichen Fotoserien hat er als Berichterstatter ungekannten Einblick gegeben in verschiedene Bereiche japanischer Privatheit. Für sein Buch Tokyo Style gelang es ihm Anfang der 1990er Jahre, reportagehaft einen Blick hinter die Kulissen der Hauptstadt zu werfen, indem er sonst vollkommen unzugängliche, private Tokyoter Wohnungen dokumentierte, in denen sich Überreste traditionellen Wohnens mit westlichem Konsumverhalten auf engstem Raum verbanden. Für seine Reihe Happy Victims porträtierte Tsuzuki Unbekannte in ihrer Wohnung, inmitten ihrer Sammlung von Kleidungsstücken und Accessoires ihrer Lieblingsmodemarke. Die in winzigen Appartments ausgebreiteten Schätze dieser „Fashion victims” spiegeln die ihre finanziellen Möglichkeiten arg strapazierende Leidenschaft. Gleichzeitig offenbart der Fotograf Aspekte der Persönlichkeit dieser willigen Fashionistas, für die der Fetisch „Mode” eine zentrale Rolle spielt. Dem Objekt des Konsums kommt so geradezu kultischer Status zu, als Projektionsfläche identitätsstiftender Sehnsüchte wird als Kreation eines Modeschöpfers mythologisch überhöht. Tsuzukis Fotos, die viel von den Lebensumständen in japanischen Metropolen erzählen, sind weniger dem analytischen Blick eines distanzierten Soziologen geschuldet, vielmehr zeugen sie vom nur leicht ironisch gefärbten Verständnis ihres Autors gegenüber dem Besitzerstolz der dargestellten „glücklichen Opfer”.

Happy Victims

Happy Victims : Alexander McQueen, 2003
80 x 104 cm
Happy Victims : Cosmic Wonder, 2004
120 x 150 cm

Happy Victims : Dries van Noten, 2002
80 x 100 cm
© Foto: Kyoichi Tsuzuki
Happy Victims : Gucci 1, 1999
80 x 101 cm
© Foto: Kyoichi Tsuzuki
Happy Victims : Jane Marple, 2000
120 x 137 cm
© Foto: Kyoichi Tsuzuki

Kyoichi Tsuzuki

Happy Victims, 1999-2004
Serie von 36 Farbfotografien
Sammlung Mudam Luxembourg
Ankauf 2003
© Fotos: Rémi Villaggi